Editorial

von Ulrich Nitschke, Leiter des Teams Religion und Entwicklung bei PIRON

Am 11. März 2020 erklärte die Weltgesundheitsorganisation COVID-19 zur Pandemie. Die Wissenschaftlerin Jeanet Bentzen von der Universität Kopenhagen fand heraus, dass der Anteil der Google Suchen nach dem Stichwort „Gebet“ im März 2020 mehr als 50% über dem Durchschnitt im Februar 2020 lag. Im März 2020 stieg der Anteil der Google-Suchanfragen nach Gebet auf das höchste jemals verzeichnete Niveau, so Bentzen. Gebet ist eine Kraftquelle zur Bewältigung der Krise und kann Mut zur Veränderung geben.

In ihren Beiträgen der vorliegenden Ausgabe erklären Prof. Dr. Milad Karimi, islamischer Theologe und Philosoph an der Universität Münster, und Sadhvi Bagawati Saraswati von der hinduistischen Divine Shakti Stiftung und Generalsekretärin der interreligiösen WASH-Allianz, dass die Corona-Krise vorrangig eine spirituelle Krise, ja eine Sinnkrise, ist. Die spirituelle Sinnkrise und die physisch greifbare Krise unserer Gesundheit, Umwelt und Wirtschaft sind unmittelbar miteinander verbunden, bedingen sich gegenseitig. Was bedeutet das für uns, wenn wir gläubig sind und spirituell tragfähige Antworten finden wollen? Was bedeutet das für die Rolle der religiösen Institutionen und ihrer Gemeinschaften? In seinem tiefgründigen Interview geht Milad Karimi auf diese Fragen ein und hält uns den Spiegel vor, was durchaus unangenehm und schmerzhaft sein kann. Aber da liegt die Kraft der Religion: als Teil von etwas Größerem kann der oder die Gläubige die eigenen unmittelbaren Bedürfnisse, die im Krisenmodus besonders deutlich werden, mal stehen lassen und zuhören, Stille aushalten, so Prof. Karimi.

Nutzen wir also die Chance, nicht auszuweichen vor schwierigen Fragen der Neuorientierung, Stille und Einsamkeit zu genießen, Konsum zu drosseln und nachhaltiger zu leben. Verlangsamen und den Anderen wahrnehmen in seinem/ihren Anders sein kann bereichern und ebenso glücklich machen. Der/die Andere ist dabei nicht nur unsere Nachbarin oder Arbeitskollegin, sondern Menschen weltweit. Wenn uns die Krise eins gezeigt hat, dann, dass wir alle miteinander verbunden sind, das gleiche Leid und die gleichen Freuden teilen, egal wo auf dem Globus wir uns befinden.

Deshalb rücken wir ab von unserem Slogan in 500 Sekunden den Faith in Development Monitor lesen zu können. Heute laden wir Sie ein, die Ruhe zu genießen und sich in die Wegweisungen zu vertiefen, die uns besonders Milad Karimi auf den Weg zur eigenen Spiritualität mitgibt.
Wir würden uns sehr über Rückmeldungen dazu freuen und versprechen, dass die nächste Ausgabe Ende September 2020 vielleicht wieder kürzer wird.

Ihnen und Euch einen gesunden und erholsamen Sommer!

 

Entdecken Sie den Monitor für Religion und Entwicklung 06/2020

Monitor für Religion und Entwicklung

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Nächste Ausgabe

Mittwoch, 30. September 2020

Über den Monitor

Religionen und Glaube erfahren zu wenig Beachtung und Respekt in der globalen Entwicklungszusammenarbeit. Und das, obwohl menschliche Entwicklung untrennbar mit Weltanschauungen verwoben ist. Entwicklung findet statt, in allen Gesellschaften und Kulturen, und sie ist zutiefst von Glaubenseinflüssen und -einstellungen geprägt. Gleichzeitig zählen religiöse Organisationen zu den ältesten und wirkungsmächtigsten Akteuren der globalen wie lokalen Entwicklungszusammenarbeit. Der Faith In Development Monitor leistet einen Beitrag dazu, (1) die Relevanz von Religion für die internationale Entwicklungszusammenarbeit zu verdeutlichen, (2) Religionskompetenz unter Praktikern und politischen Entscheidungsträgern zu erhöhen und (3) aktuelle Entwicklungen im Themenfeld „Religion und Entwicklung“ nachvollziehbar zu erklären. Damit wollen wir ermutigen, sich dem Dialog mit glaubensbasierten Organisationen zu stellen.
Unter dem Motto „500 Sekunden für mehr Glaube an Entwicklung“ erscheint alle zwei Monate der kostenfreie Monitor für Religion und Entwicklung als Newsletter auf Deutsch und Englisch.

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