Reaktionen von Religionsgemeinschaften auf  COVID-19: Religionsvertretern*innen zuhören

Die Kirchen in Afrika - eine konstruktive und zeitgemäße Antwort auf COVID-19

Von Dr. Fidon Mwombeki, Generalsekretär der All Africa Conference of Churches

 

COVID-19 ist zweifellos zu einer der am weitesten verbreiteten Pandemien und Katastrophen geworden, die die Welt in unserer Generation erlebt hat. Sie hat überall mit unterschiedlicher Intensität gewütet. Während ich diesen Artikel schreibe, gehört Afrika zu den am wenigsten betroffenen Kontinenten mit vergleichsweise niedrigeren bestätigten Infektionen und Todesfällen. Dies ist jedoch auch auf weniger fortschrittliche Statistiken und Tests zurückzuführen. Nichtsdestotrotz sind wir uns voll bewusst, dass, wenn sich die Krankheit tatsächlich wie auf anderen Kontinenten ausbreitet, wir, außer der Gnade Gottes, viel weniger in der Lage sind, die Pandemie einzudämmen.

Wir Afrikaner*innen erkennen die Gegenwart des allmächtigen Gottes in unserem Leben, von der Wiege bis zum Grab. Diese Pandemie bildet hier keine Ausnahme. Die Kirchen ringen darum, dies zu verstehen und es theologisch und spirituell zu reflektieren.  Viele Länder haben nationale Gebetstage abgehalten, um Afrika vor dieser Bedrohung zu retten. Nicht aus Verzweiflung und Hilflosigkeit, sondern aus unserer gewohnten Frömmigkeit und Spiritualität, in Zeiten der Freude oder der Trauer, des Erfolgs oder des Scheiterns. Die Rolle der Kirchen ist vielschichtig.

In erster Linie sind die Kirchen Meinungsführer in der Gesellschaft. Ihre Stimme, mit der die Realität und die Schwere der Bedrohung aufgezeigt wurde, war sehr wichtig, vor allem als es darum ging, Mitglieder dabei zu unterstützen, die von Regierungen festgelegten Einschränkungen zu befolgen, um die Ausbreitung des Virus vorzubeugen.

Zweitens gehen die Kirchen mit gutem Beispiel voran. Viele haben aufgehört, sich zu versammeln, selbst dort, wo die Regierungen es nicht verboten haben. Sie haben die Art und Weise geändert, wie sie religiöse Rituale wie Taufe, Eheschließung und Abendmahl feiern und durchführen, indem sie einige davon entweder ganz aussetzen oder ohne physischen Kontakt zelebrieren.

Drittens ergreifen die Kirchen praktische Maßnahmen zur Unterstützung der Regierungen und vielmehr noch durch direkte diakonische Dienste. Die Kirchen haben sowohl in ländlichen als auch in städtischen Gebieten die stärkste Präsenz. Die Kirchen sind zu Lehreinrichtungen geworden, in denen die Menschen über die Bedeutung des Händewaschens und des Gebrauchs von Desinfektionsmitteln und darüber, wie man sich die Hände wäscht, unterrichtet werden. Gleichzeitig haben viele Kirchen lokale diakonische Dienste, in deren Rahmen Nahrungsmittel und andere lebensnotwendige Güter für die besonders gefährdeten Familien bereitgestellt werden. Das liegt auch daran, dass die afrikanischen Regierungen nicht so strukturiert sind, dass sie die Identität der am stärksten gefährdeten Menschen überhaupt kennen, geschweige denn, dass sie wissen, wie man ihnen helfen kann. Kirchengemeinden haben Lebensmittel und Reinigungsmaterial gesammelt und an die Bedürftigen in ihren Gemeinschaften verteilt.

Viertens ist bekannt, dass die Kirchen in Afrika einen großen Teil der Gesundheitsdienste bereitstellen, insbesondere in abgelegenen und ländlichen Gebieten. Auf diese Weise nutzen die Kirchen ihre medizinischen Einrichtungen direkt vor Ort. Wir danken Gott, dass das Virus bisher vor allem in großen Städten in Afrika verbreitet ist. Aber der Trend ist klar, es wird sich auf dem Land ausbreiten. Die Kirchen bereiten ihre Einrichtungen ernsthaft darauf vor, verfügbar zu sein und denjenigen zu helfen, die Behandlung und Pflege benötigen. Viele dieser Einrichtungen sind nicht angemessen ausgestattet. Die Kirchen brauchen zusätzliche Kapazitäten, um für diese wichtige Aufgabe bereit zu sein.

Lassen Sie mich abschließend noch etwas zur Rolle der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz (AACC) sagen, die ich das Privileg habe, zu leiten. Neben der Unterstützung der Kirchen in Afrika konzentrieren wir uns insbesondere auf zwei Aspekte. Der erste besteht darin, mit den Kirchen auf theologischer Ebene zusammenzuarbeiten und irreführende Theologien im Zusammenhang mit COVID-19 zu identifizieren und zu bekämpfen. Es gibt viele selbsternannte Propheten und Prediger, die vorgeben, im Namen Gottes zu sprechen, als ob Gott ihnen E-Mails schreibt. Viele von ihnen sind Untergangspropheten, die beispielsweise behaupten, dass COVID-19 von Gott als Strafe für die Sünden der Welt (vom Sexualverhalten bis zum Klima) gesandt worden sei und dass der einzige Weg darin bestehe, Buße zu tun und Tag und Nacht zu beten, weil nicht einmal Medizin gefunden werden wird. Wir hingegen verbreiten Theologien des Lebens, der Liebe Gottes auch in Zeiten einer Pandemie. Wir raten von apokalyptischen Interpretationen der Pandemie ab, dass sie ein Zeichen für das bevorstehende Ende der Welt sei, während wir Theologien der Hoffnung in und für die Zukunft propagieren.

Der zweite Aspekt ist die Verteidigung der Würde der afrikanischen Menschen gegen diejenigen, die sehr unglücklich darüber sind, dass der Ursprung und das Epizentrum dieser Pandemie nicht Afrika ist. Wir haben daher zwei wichtige Erklärungen abgegeben, von denen die eine französische Forscher verurteilt, die angedeutet haben, dass die Tests für Impfstoffe in Afrika durchgeführt werden sollten, als ob die Afrikaner Versuchskaninchen und Afrika ein Versuchslabor wären. Die zweite war die "Verurteilung der rassistischen, fremdenfeindlichen Diskriminierung von Afrikaner*innen in China" nach sehr beunruhigenden Bildern, die weltweit verbreitet wurden und die den verabscheuungswürdigen Missbrauch von in China lebenden Afrikanern zeigen. Es ist sehr bedauerlich, dass selbst dann, wenn Afrika weder der Ursprung noch das Epizentrum einer schrecklichen Pandemie ist, einige böse Elemente in der Welt diese mit Afrika in Verbindung bringen möchten, wie sie es mit allen anderen bösen Dingen tun. Gott möge sich erbarmen.

Dr. Fidon Mwombeki dient als Generalsekretär der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz und promovierte in Minnesota, USA. Er hat sein ganzes Leben lang für Geschlechter- und Gesundheitsrechte gekämpft und leitet nun den größten Kirchenverbund in Afrika. Der AACC hat Mitgliedskirchen in 42 Ländern Afrikas.

 

 

Die Fatwas des Großajatollahs Sayyid Ali Husaini Sustani

 

Eine weitere gute Praxis religiöser Reaktionen auf die COVID-19-Pandemie sind die Fatwas des Großayatullah Sayyid Ali Husaini Sistani, einer der höchsten Autoritäten im Zwölfer-Schiismus (dem Großteil der schiitischen Muslime). Seine Worte in der Reaktion auf die COVID-19-Krise sind wichtige Leitlinien für die schiitische Gemeinschaft. In einer Fatwa beantwortet Großayatollah Ali Sistani Fragen zum Corona-Virus und weist die Gläubigen dazu an, die Regeln der physischen Distanzierung und Selbstquarantäne einzuhalten, und ruft sie auf, infizierten Personen und Familien zu helfen, die aufgrund der aktuellen Situation zu Schaden gekommen sind. Er ermutigt die Gläubigen, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, die dem Grad der Pandemie angemessen sind, ohne Panik und Verzweiflung zu verbreiten, und hart daran zu arbeiten, andere über Fragen im Zusammenhang mit dem Virus aufzuklären.

In einer weiteren Fatwa mit dem Titel "Rulings Regarding the Efforts Regarding the Efforts of Medical Professionals Caring for Coronavirus Patients (COVID 19)" erklärt Großayatollah Ali Sistani, dass qualifiziertes medizinisches Personal den Infizierten helfen sollte. Er sagt jedoch deutlich, dass es in der Verantwortung der Behörden liegt, ihnen den notwendigen Schutz zu bieten, damit sich das medizinische Personal nicht mit dem Virus ansteckt, während sie anderen helfen. Er lobt die Arbeit des medizinischen Personals und bringt die höchste Anerkennung für ihre humanitäre Arbeit zum Ausdruck.

 

Sistani erreichte den Status von marja' al-taglīd (arabisch: "Modell der Nachahmung"), die höchste Stufe der Exzellenz im Zwölfer-Schiismus. Er lebt in Najaf im Irak und ist auch der Religionsführer der irakischen Schiitengemeinschaft.

 

 

World Vision: Umgang mit COVID-19 in Partnerschaft mit religiösen Akteuren

Von Andrea Kaufmann, Senior Advisor for External Engagement, zuvor Direktorin Faith Partnerships for Development

 

Seit Jahrtausenden spielen religiöse Akteure eine einzigartige und wesentliche Rolle im Umgang mit Krisen und Pandemien. Mitglieder von Religionsgemeinschaften stehen oft an vorderster Front der Gesundheitsfürsorge und riskieren ihr eigenes Leben, wenn sie auf körperliche, emotionale und spirituelle Bedürfnisse reagieren und Familien und Gemeinschaften in ihrer Trauer unterstützen. World Vision International (WVI) greift auf Erfahrungen aus der Vergangenheit zurück, darunter die Ebola-Krise in Sierra Leone, um mit religiösen Akteuren in der Reaktion auf COVID-19 zusammenzuarbeiten. Mehrere Prinzipien und Ansätze leiten die Partnerschaft von WVI mit Glaubensgemeinschaften.

Erstens arbeitet WVI mit Glaubensführern als respektierte und vertrauenswürdige Gemeindemitglieder zusammen, um richtige Präventions- und Sorgfaltsbotschaften zu verbreiten und so gefährdete Kinder und ihre Gemeinschaften zu schützen. In vielen Gemeinschaften führt fehlendes Vertrauen zwischen den Menschen und ihren politischen Führern zu einem Widerwillen zum Zuhören, wenn es um lebenswichtige Gesundheitsinformationen geht. Während der COVID-19 Pandemie arbeitet WVI mit einem Netzwerk von 400.000 Glaubensführern und Mitgliedern von Glaubensgemeinschaften zusammen, die in Channels of Hope Verfahren geschult wurden - einer Methodik, die darauf abzielt, Glaubensführer und Glaubensgemeinschaften zu motivieren und in die Lage zu versetzen, sich durch wissenschaftlich fundierte Informationen und Erkenntnisse aus religiösen Texten mit wichtigen Fragen des Kindeswohls auseinanderzusetzen. WVI und Glaubensführer arbeiten partnerschaftlich zusammen, um akkurate Gesundheitsbotschaften zu verbreiten und wesentliche Ermutigung und Hoffnung zu stiften. Bereits 4708 religiöse Führer fördern Präventionsmaßnahmen und schaffen Hoffnung. Allein in der Demokratischen Republik Kongo haben bereits 2304 Religionsführer Informationen über COVID-19 erhalten.

Zweitens arbeiten WVI und Religionsführer zusammen, um Kindern und ihren Betreuern spirituelle Unterstützung und psychologische Erste Hilfe als Quelle der Heilung und Widerstandsfähigkeit an zu bieten. Glaubensführer und Experten für psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung haben gemeinsam ein Manual erstellt, um Glaubensführer auszubilden und auszurüsten, damit sie Kindern und Familien in ihren Gemeinden virtuelle psychologische Erste Hilfe leisten können.

Drittens fördern Glaubensführer den sozialen Zusammenhalt, bekämpfen Fremdenfeindlichkeit und helfen beim Abbau von Angst und Stigmatisierung. Im Hinblick auf COVID-19 bedeutet das, die interreligiöse Verbundenheit in gemeinsamen Antworten zu fördern. Glaubensführer können sich auch mit unterschwelligen Glaubenssätzen oder Stigmatisierung befassen, die möglicherweise zu zerbrochenen Beziehungen führen. In Bangladesch beispielsweise kollaborierten 1009 Glaubensführer verschiedener Religionen mit World Vision, um Bewusstsein zu schaffen, die Verbreitung von COVID-19 vorzubeugen und Hoffnung in der Gemeinschaft zu stiften. WV Uganda unterstützte den Interreligiösen Rat Ugandas, Bewusstsein für die Prävention der Verbreitung von COVID-19 zu schaffen, mit einer gemeinsamen Botschaft des Erzbischofs der katholischen Kirche in Uganda, des Erzbischofs der anglikanischen Kirche in Uganda und des Mufti des Obersten Rates der Muslime Ugandas.

Glaubensführer können Gläubige zum Gebet motivieren. Es hat sich gezeigt, dass Gebete in verschiedenen Formen positive Auswirkungen auf die geistige und körperliche Gesundheit der Betenden haben.  Da die Gemeinschaften für sich selbst, ihre Kinder und füreinander beten, trägt dies auch zum sozialen Zusammenhalt, zur Fürsorge und zum Respekt füreinander bei.

Darüber hinaus arbeitet WVI mit kirchlichen Netzwerken und Partnerschaften wie der "Faith Action for Children on the Move" zusammen, um Regierungen, zwischenstaatlichen Organisationen, NGOs und Gesundheitsfachkräften zu überzeugen, Glaubensgemeinschaften als einzigartige und wesentliche Partner wahrzunehmen, um sicherzustellen, dass die am stärksten gefährdeten Kinder vor COVID-19 geschützt werden.

 

 

Religions for Peace richtet Multireligiösen Humanitären Fonds als Reaktion auf COVID-19 ein

 

Religions for Peace (RfP) hat den Multireligiösen Humanitären Fonds eingerichtet, um die multireligiöse Zusammenarbeit rund um COVID-19 zu unterstützen und kreative Lösungen anzuregen, die die Widerstandsfähigkeit innerhalb und zwischen verschiedenen Gemeinschaften fördern. RfP International wird über diesen Fonds finanzielle Starthilfen für Programme Interreligiöser Räte und multireligiöser Netzwerke bereitstellen, die darauf abzielen, das Bewusstsein für Vorsorgemaßnahmen zu schärfen, gefährdete Haushalte zu unterstützen, sprachliche wie handlungsbezogene Diskriminierung zu bekämpfen und den Bedürfnissen der am stärksten gefährdeten Individuen und Gemeinschaften zu begegnen. In dieser Reaktion auf COVID-19 stützt sich RfP auf fünf Jahrzehnte Erfahrung, Vertrauen und Engagement, um seine regionalen und nationalen interreligiösen Netzwerke umfassend auszurüsten und zu mobilisieren. "Religions for Peace ist entschlossen, die multireligiösen humanitären Bemühungen in diesen Krisenzeiten zu unterstützen, weil wir wissen, dass multireligiöse Zusammenarbeit in Krisenzeiten den sozialen Zusammenhalt in allen Zeiten garantiert", betont Prof. Dr. Azza Karam, Generalsekretärin von RfP. Die finanziellen Starthilfen, die von der GHR Stiftung und dem Fetzer Institut, um nur zwei Geber zu nennen, bereitgestellt werden, ermutigen interreligiöse Plattformen und Projektpartner, zusätzliche Ressourcen aufzubringen, um ihre Anstrengungen zu skalieren und die Nachhaltigkeit der finanzierten Projekte zu gewährleisten. RfP begrüßt Beiträge zum Multireligiösen Humanitären Fonds von Einzelpersonen, Unternehmen und Regierungen, die lokal vernetzte und kreative multireligiöse Initiativen unterstützen möchten, die sich direkt mit den Herausforderungen von COVID-19 befassen. Förderungsfähige Antragsteller sind Interreligiöse Räte, die mit RfP verbunden sind und eine bewährte Erfolgsbilanz aufweisen können. Sie sollten mit interreligiösen Netzwerken von Jugendlichen und Frauen und anderen religiösen Akteuren zusammenarbeiten und können sich bis zum 10. Mai 2020  online bewerben.

 

 

Bahá'í-Gemeinschaften weltweit finden kreative Wege, um auf COVID-19 zu reagieren

 

In einer Zeit, in der viele Teile der Welt mit COVID-19 kämpfen, finden Bahá'í weltweit Wege, um ihren Gemeinschaften zu dienen. Durch jahrelange Erfahrung in gemeinschaftsbildenden Aktivitäten sind sie in der Lage, mit Kreativität und Innovationskraft auf die aktuellen Umstände zu reagieren. In Italien, wo Präventivmaßnahmen die meisten Menschen auf ihr Zuhause beschränken, setzen die Bahá'í Gemeinschaften ihre hoffnungsstiftenden Aktivitäten fort. Gläubige kommen online zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen, zu inspirieren und füreinander zu beten. Den Menschen in ihrer Umgebung sprechen Bahá'í durch regelmäßige Anrufe Ermutigung zu, wodurch oft tiefe Gespräche und intensivierte Freundschaften entstehen. Nilakshi Rajkhowa vom Bahá'í-Büro für Auswärtige Angelegenheiten in Indien beobachtet in ihrem Land einen ähnlichen Trend: "Wir spüren, dass dies eine Zeit ist, in der wir mit allen in einen tief greifenden Dialog über spirituellen und sozialen Wandel eintreten können, weil sich die Menschen einer zentralen Idee der Botschaft Bahá'u'lláhs bewusster geworden sind: Wir sind alle eins, wir sind voneinander abhängig, und wir sind alle aufgerufen, einander zu unterstützen.

Neben sozialer, spiritueller und seelischer Ermutigung unterstützen Bahá'í in aller Welt ihre Gemeinden auch ganz praktisch. Sie helfen Schulkindern digital bei den Hausaufgaben und versorgen sie mit regelmäßigen Mahlzeiten, die durch Schulschließungen wegfallen, verteilen und produzieren dringend benötigte Materialien wie Desinfektionsmittel, Seife und Gesichtsmasken, und unterstützen Familien, die beim Zugang zu staatlichen Diensten auf Sprachbarrieren stoßen. Zur Gewährleistung der Nahrungssicherheit veröffentlichen Bahá'í Informationen darüber, welche Nutzpflanzen hohe Erträge liefern, und bauen persönliche wie Gemeinschaftsgärten aus.

Die Bahá'í-Gemeinschaften in Nepal, Indien und der Demokratischen Republik Kongo (DRK) unternehmen aktive Schritte zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Virus und zur Bereitstellung essentieller Informationen über die Grundsätze persönlicher und kollektiver Hygiene. Jugendliche in Mbuji-Mayi, Ostkasai-Provinz, DRK, schrieben sogar ein Lied in der Tshiluba-Sprache, in dem sie Fragen von Jugendlichen über die Krankheit beantworten. In Tunesien veröffentlichten Bahá'í und andere Glaubensgruppen eine Erklärung, in der sie zur Harmonie zwischen Wissenschaft und Religion aufriefen.

All diese Aktivitäten, selbst die kleinsten, wie die ermutigenden Briefe und Bilder, die Kinder in Luxemburg an medizinisches Fachpersonal schickten, verdeutlichen die Botschaft, die das Universelle Haus der Gerechtigkeit in seiner jährlichen Erklärung an die Bahá'í der Welt übermittelte: "Wie schwierig die Dinge derzeit auch sein mögen und wie nahe an die Grenzen ihrer Belastbarkeit einige Teile der Gesellschaft auch gebracht werden, die Menschheit wird diese Prüfung letztlich bestehen, und sie wird daraus mit größerer Einsicht und mit einer tieferen Wertschätzung der ihr innewohnenden Einheit und Interdependenz hervorgehen".

 

 

Gesundes und respektvolles Denken und Handeln: Antworten von religiösen Traditionen

Von Heba Salah, KAICIID-Stipendiatin, 2019

 

Es ist unbestreitbar, dass religiöse Überzeugungen unweigerlich das individuelle Verhalten beeinflussen. In allen Glaubensgemeinschaften wenden sich Menschen an Religion und suchen Rat bei religiösen Führungspersönlichkeiten, um mit unerträglichen Lebensereignissen fertig zu werden. Im Laufe ihrer Geschichte hat die Menschheit zahlreiche Herausforderungen erlebt, von denen die jüngste und stark globalisierte Herausforderung der Ausbruch von COVID-19 ist. Angesichts dieser beispiellosen Pandemie, die das Globalisierungsparadigma in den Mittelpunkt des Interesses rückt, wollten einige Menschen aus verschiedenen Glaubensgemeinschaften weltweit in unruhigen Gewässern fischen, indem sie einen verzerrten religiösen Diskurs fördern und versuchen, ihre Zielgruppe davon zu überzeugen, dass es sich um eine Art göttliche "Strafe" handele. Sie behaupten, dass Gott der Allmächtige beabsichtigt, "Nichtgläubige" und Übeltäter im Gegensatz zu seinen gläubigen Diener*innen zu bestrafen! Folglich wandten sie sich gegen die Gesundheitsvorkehrungen zum Schutz von Einzelpersonen im Hinblick auf das Aussetzen von Gebeten in Gotteshäusern!

Diese Art von Hypothesen sind nicht neu; sie existieren jedoch und beeinflussen die Gemeinschaft aufgrund der verschiedenen Kommunikationskanäle einschließlich der sozialen Medien. Deshalb müssen wir andere Perspektiven in Betracht ziehen, wenn wir klug mit Trauer und Ängsten umgehen wollen, die die Menschen im Zusammenhang mit dem Ausbruch der Pandemie erleben. Neben dem Virus, der unser Leben bedroht, sehen wir uns in Wirklichkeit mit falschen Denkansätzen konfrontiert, die die Wurzel so vieler Übel ist und den Frieden dieser Welt bedroht. Es sind die Krankheiten des "Fanatismus" und der "extremistischen Ideologie", die alle angemessenen Konzepte und religiösen Lehren drohen zu verschlingen.

Während wir der Verbreitung von COVID-19 entgegenwirken, müssen wir darüber nachdenken, wie wir dem tödlichen Virus des Rassismus entgegenwirken können. Zu diesem Zweck ist es unumgänglich, einen interreligiösen und interkulturellen Dialog zu führen, der zum wesentlichen Bestandteil der Arbeit religiöser Institutionen geworden ist, um dem fanatischen Diskurs entgegen zu wirken und die wahrhaft fundierten Lehren zu fördern, die die Welt vor Pandemien "extremistischer Ideologien" bewahren kann. Die wirkliche Herausforderung in dieser Hinsicht ist nach wie vor die Frage, wie wir echten Respekt für die/den andere/n erreichen, die/der einen anderen Glauben hat? Alle Glaubensgemeinschaften und religiösen Traditionen sind sich einig, dass es andere Aspekte von Katastrophen gibt, auf die wir uns als Gläubige konzentrieren sollten, wenn wir die Weisheit hinter der aktuellen Pandemie verstehen wollen. Der Wichtigste davon ist: Wie sehr schätzen wir unser Leben und all die Segnungen, die Gott uns gewährt, ohne ihn zu fragen? Es ist eine gute Gelegenheit, über die eigene Haltung gegenüber diesem Universum und allen Menschen nachzudenken. Sind wir dankbar für unsere Gesundheit, unsere Familien und die Versorgung, die Gott uns gegeben hat? Sind wir uns bewusst, dass jeder Augenblick des Lebens ein Geschenk und eine Gelegenheit ist, Gott näher zu kommen?  Das ist das gesunde Denken, das jeder Einzelne in Zeiten der Not und Bedrängnis annehmen sollte.

Es ist wichtig wahrzunehmen, welche Rolle religiöse Institutionen bei der Schaffung einer Welt spielen, die Pluralismus und friedliche Koexistenz unterstützt. Das ist in schwierigen Zeiten keine leichte Aufgabe, aber es ist möglich. Um es in einer einfachen Sprache auszudrücken: Denselben Glauben zu teilen, ist keine Bedingung dafür, den anderen zu akzeptieren. Vielmehr reicht es aus, ein schönes Essen zu teilen und soziale Fragen zu diskutieren, die Anlass zur Sorge geben. Das ist der Anfang, um Menschen des Glaubens auf den richtigen Weg des "gesunden und respektvollen Denkens und Handelns" zu bringen. Dies ist genau der Ansatz, den KAICIID in seinem Bemühen, diese Welt zu einem besseren Ort für alle zu machen, erfolgreich anwendet. Das Geheimnis unseres Erfolgs liegt darin, dass Stipendiaten aus verschiedenen Programmen durch die gesamte Erfahrung des Trainings Momente echter "menschlicher" Interaktionen teilen. Am Ende gewinnen die Stipendiaten eine interreligiöse Familie in jedem Teil der Welt. Sie alle arbeiten hart daran, dass sie Erlerntes und Erfahrenes in ihrer eigenen Welt und Umgebung umsetzen.

Religionen lehren uns, einen umfassenden, ausgewogenen Blick auf die gesamte Situation zu werfen - das Positive, das Negative und danach zu Schlussfolgerungen zu kommen. Mit anderen Worten: Gesundes Denken und Handeln bedeutet, das Leben und die Welt in einer ausgewogenen Weise zu betrachten, nicht durch eine rosarote Brille. Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) sagte: "Es gibt keine Überlegenheit eines Arabers gegenüber einem Nicht-Araber, noch eines Nicht-Arabers gegenüber einem Araber. Weder ist der Weiße dem Schwarzen überlegen, noch ist der Schwarze dem Weißen überlegen, außer durch Frömmigkeit". Diese Frömmigkeit fällt unter die Begriffe der Liebe, des Friedens und der Barmherzigkeit, die jeder, ohne Ausnahme, im Umgang und in der Behandlung des anderen aufrechterhalten muss. Wenn wir mit diesem Verständnis leben, sind wir demütig in unserer Macht und nutzen die Gaben, die uns von Gott geschenkt wurden, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen, nicht um sie zu zerstören.

 

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Religionen und Glaube erfahren zu wenig Beachtung und Respekt in der globalen Entwicklungszusammenarbeit. Und das, obwohl menschliche Entwicklung untrennbar mit Weltanschauungen verwoben ist. Entwicklung findet statt, in allen Gesellschaften und Kulturen, und sie ist zutiefst von Glaubenseinflüssen und -einstellungen geprägt. Gleichzeitig zählen religiöse Organisationen zu den ältesten und wirkungsmächtigsten Akteuren der globalen wie lokalen Entwicklungszusammenarbeit. Der Faith In Development Monitor leistet einen Beitrag dazu, (1) die Relevanz von Religion für die internationale Entwicklungszusammenarbeit zu verdeutlichen, (2) Religionskompetenz unter Praktikern und politischen Entscheidungsträgern zu erhöhen und (3) aktuelle Entwicklungen im Themenfeld „Religion und Entwicklung“ nachvollziehbar zu erklären. Damit wollen wir ermutigen, sich dem Dialog mit glaubensbasierten Organisationen zu stellen.
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