Editorial

von Lilian M. Kurz, Redakteurin des Monitors für Religion und Entwicklung

„Corona spaltet die Gesellschaften!“, so hören wir es aus allen Kanälen und sehen es auch in der Berichterstattungen weltweit: in Gesundheitsversorgte und Homeoffice Menschen, in Dienstleistungserbringer, Pflegepersonal und Berufstätige aus den sogenannten lebensnotwendigen Bereichen der Wirtschaft und Gesellschaft, in Menschen mit Zugang zu Rücklagen, zu sauberen Wasser zum Händewaschen und Desinfektionsmittel und Habenichtse, die der Pandemie ohne Schutz ausgesetzt sind. Und leider ist es in vielen Teilen der Erde genauso gekommen, wie beschrieben, mit graduellen Unterschieden zwischen Nord und Süd, West und Ost, mit mehr oder weniger drastischen Maßnahmen der physischen Distanzeinhaltung, polizeiüberwacht. Ja, es gibt sie, die Nachbarn, die die Nachbarn anzeigen, weil sie zu nah beisammenstehen, und auch die Religionsführer, die COVID-19 zu einer westlichen Verschwörung erklären und Vorsichtsmaßnahmen ignorieren. Aber, so können wir aus Deutschland und vielen Nachbarländern und auch international berichten: Es funktioniert, die Mehrheit der Menschen ist zurückhaltend und einsichtig und akzeptiert die temporären Einschränkungen bürgerlicher Freiheitsrechte (die es dringend zu beobachten gilt!) für das Gesamtwohl der Gesellschaft, besonders ihrer schwächeren Mitglieder. Mindestens so wichtig ist aber genau hinzusehen, wo Politiker*innen die Pandemie nutzen, um kritische Stimmen endgültig zu eliminieren oder auszugrenzen.

Und – viel wichtiger für unseren Monitor für Religion und Entwicklung – gleichzeitig erleben wir eine Welle der Solidarität, ein Zusammenstehen, wie es nachkriegsgeschichtlich nicht vorgekommen ist, über nationale Grenzen hinweg. Der WDR berichtete, dass auf der Spendenplattform betterplace.org im März 2020 doppelt so viele Menschen gespendet haben, wie noch im vergangenen Jahr. Allein für Corona-Projekte seien schon drei Millionen Euro an Spenden zusammengekommen.  An den dauerhaft angeschalteten Bildschirmen und in den sozialen Medien sehen wir die vielen Aufbrüche in ein digitales Zeitalter, in dem soziale Nähe hergestellt wird durch besseres Zuhören als jemals im Smalltalk auf dem Gang möglich war. Ja, es gibt die Aktionen der Zivilgesellschaft, von insbesondere religiös beflügelten Menschen und ihren Gemeinschaften, der ungehemmten Solidarität mit den Schwächeren! Davon wird unsere Sonderausgabe ausführlich berichten und wir sind froh, dass so viele Menschen aus welcher spirituellen oder säkularen Motivation auch immer, uns Beiträge geschickt haben.

Prof. Azza Karam, Generalsekretärin von Religions for Peace, erklärt in ihrem Leitartikel deutlich, dass weder in Krisen noch in „normalen Zeiten“, Glaube und Religionsgemeinschaften politische Instrumente sein dürfen, kein Ansatz unter vielen in der Toolbox der Entwicklungszusammenarbeit. In unserer Akademie für Religionskompetenz hören wir in dieser Ausgabe zum ersten Mal Ulrich Nitschke, der im März 2020 als Senior Berater und Leiter unseres Teams „Religion und Entwicklung“ bei PIRON eingestiegen ist.  Religionskompetenz bedeutet zunächst Demut, ist seine Kernaussage. Dort, wo wir normalerweise eine religiöse Organisation vorstellen, hören wir dieses Mal Religionsvertreter*Innen, wie unter anderen Dr. Fidon Mwombeki, Generalsekretär der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz, Andrea Kaufmann, Senior Advisor for External Engagement bei World Vision International und dem  Großayatollah Sayyid Ali Husaini Sistani zu, um zu erfahren, wie sie mit COVID-19 umgehen. Wie sonst auch präsentieren wir eine Sammlung an Veranstaltungen und Publikationen, die hoffentlich für Sie von Interesse sind, die sich mit dem Nexus zwischen Religion und Entwicklung beschäftigen.

Guter Taten kann es dieser Tage nicht genug geben. Liebe Leser*Innen, wir brauchen Sie als Mut- und Mitmacher*innen für die nächste Zukunft – die definitiv anders aussehen wird als die Vor-Corona Zeit.

Wir sagen: Zur Nachahmung empfohlen, lesen Sie selbst und bleiben Sie gesund!

 

 

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Nächste Ausgabe

Dienstag, 30. Juni 2020

Über den Monitor

Religionen und Glaube erfahren zu wenig Beachtung und Respekt in der globalen Entwicklungszusammenarbeit. Und das, obwohl menschliche Entwicklung untrennbar mit Weltanschauungen verwoben ist. Entwicklung findet statt, in allen Gesellschaften und Kulturen, und sie ist zutiefst von Glaubenseinflüssen und -einstellungen geprägt. Gleichzeitig zählen religiöse Organisationen zu den ältesten und wirkungsmächtigsten Akteuren der globalen wie lokalen Entwicklungszusammenarbeit. Der Faith In Development Monitor leistet einen Beitrag dazu, (1) die Relevanz von Religion für die internationale Entwicklungszusammenarbeit zu verdeutlichen, (2) Religionskompetenz unter Praktikern und politischen Entscheidungsträgern zu erhöhen und (3) aktuelle Entwicklungen im Themenfeld „Religion und Entwicklung“ nachvollziehbar zu erklären. Damit wollen wir ermutigen, sich dem Dialog mit glaubensbasierten Organisationen zu stellen.
Unter dem Motto „500 Sekunden für mehr Glaube an Entwicklung“ erscheint alle zwei Monate der kostenfreie Monitor für Religion und Entwicklung als Newsletter auf Deutsch und Englisch.

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