Start der Middleground Academy – wie mehr Religionskompetenz zu besseren Entwicklungsprojekten führt

Sie hören das Wort „Middleground“ zum ersten Mal? Kein Wunder! Letzte Woche fand in Bonn erstmalig die Middleground Academy statt, die PIRON Global Development im Auftrag von Vision Hope durchführt.

Sechzehn engagierte Mitarbeiter*innen der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe diskutierten, argumentierten und philosophierten über den Middleground-Ansatz, der der Fortbildung zu ihrem Namen verhilft. Vision Hope hat diesen Kommunikationsansatz entwickelt. Durch ihn sollen die Verständigung und Zusammenarbeit mit glaubensbasierten und säkularen Akteuren in der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe verbessert werden. Insbesondere in der in der MENA-Region soll das zu einer besonderen weltanschaulichen Basis führen. Der Middleground-Ansatz ist ein gemeinsamer Kern ethischer Werte und humanitärer Imperative, die sowohl für Menschen mit muslimischem und christlichem Glauben als auch ohne religiöse Zugehörigkeit relevant sind.


Die Rolle des Middleground-Ansatzes


Eine gemeinsame weltanschauliche Basis, ein Middleground, ist das denn notwendig? In post-modernen Zeiten mit säkularen Gesellschaften und einer Trennung von Kirche und Staat – wer braucht da Religion oder Weltanschauung? Die Antwort ist: 84 % aller Weltbewohner*innen. Denn dieser Anteil der Menschen fühlt sich einer Religion zugehörig und lebt überwiegend in Ländern, in denen deutsche internationale Zusammenarbeit stattfindet. Die MENA-Region ist eine dieser Gegenden. Mehr noch, wer glaubt, eine säkulare Weltanschauung sei wertfrei, neutral und quasi Mainstream, der/die wird merken, dass jede Wirkung, die ein Entwicklungsprojekt haben soll, immer wertebasiert ist. Bessere Bildung für Mädchen? Wertebasiert! Aufklärung in reproduktiver Gesundheit? Wertebasiert! Klimaschutz? Wertebasiert!


Interaktiver Seminarrahmen


Dies durften die Teilnehmenden des Einführungs-Webinars und des ersten Präsenzseminars der Middleground Academy selbst erkennen und lernen. Teil des Seminars waren anregende Diskussionen, verschiedene methodische Lernformate und spannende Vorträge aus dem Feld. „Anhand anschaulicher und interaktiven Methoden konnten wir uns dem komplexen Thema Religion nähern. Besonders in der MENA-Region spielen religiöse und kulturelle Werte eine herausragende Rolle. Der Middleground hilft uns, die wir aus einer eher säkularen Gesellschaft kommen, die vielschichtigen Dimensionen von Religion zu verstehen und in unseren Projekten zu berücksichtigen. Das Team von Vision Hope hat eine tolle Arbeit geleistet, um uns in unseren Fähigkeiten zur Führung von interreligiösen Dialogen zu fördern“, so eine Teilnehmerin nach dem Seminar.

Der Middleground Ansatz ist besonders, weil er eine sogenannte „3D-Kommunikation“ fördert. Er nimmt muslimische, christliche und säkulare weltanschauliche Konzepte in den Blick, hinterfragt und analysiert sie. Dabei ist besonders: der Blick nach innen, in das eigene Wertegerüst und die individuellen Anschauungen. Denn sie sind Prägungen, die man, meist unbewusst, durch Erziehung und Gesellschaft mitbekommen hat. Wie heißt es so schön: Erst, wenn man sich selbst kennt, kann man auch andere wirklich (er-)kennen. Damit trägt der Middleground-Ansatz zu erfolgreicher Zusammenarbeit zwischen muslimischen, christlichen und säkularen Personen in der MENA-Region bei.


Zweites Seminar in Berlin geplant


Das zweite Präsenzseminar der Middleground Academy findet am 20. und 21. Mai 2019 in Berlin statt. Melden Sie sich jetzt an und verpassen Sie die Möglichkeit nicht, dem spannenden, aber nicht unkomplizierten, Thema „Religion in der Entwicklungszusammenarbeit“ näher zu kommen und Ihre Kompetenzen in interreligiöser Kommunikation zu stärken.

Anmeldung, weitere Informationen und Kontakt zum Vision-Hope-Team unter: www.middleground-academy.de.

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